Die Festliche Abschlussveranstaltung


fand am Mittwoch, 26. April 2017 im Hans Otto Theater Potsdam statt.

Festrede:
Prof. Dr. Harald Kächele | Bundesvorsitzender der Deutschen Umwelthilfe e.V.

Preisverleihung: Dr. Monika Griefahn | Sprecherin der Jury, Umwelt- und Kulturpolitikerin
Dr. Bernhard Schmidt-Ruhe | Geschäftsführer der Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg
Cordine Lippert | Koordinierungsstelle Klimaschutz der Landeshauptstadt Potsdam
Michael Beier | Vorstand der Heinz Sielmann Stiftung
Prof. Dr. Wilhelm-Günther Vahrson | Präsident der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde

IG Blech - Konzert der Band mit der Lizenz zum Tröten
Moderation: Hellmuth Henneberg
| RBB-Fernsehen



Die Preise des Festivals Ökofilmtour 2017

>> Unsere Jury



Festrede von Prof. Dr. Harald Kächele (Bundesvorsitzender der Deutschen Umwelthilfe e.V.)




Zukunftsfilmpreis
dotiert mit 5.000 Euro von der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde
Goldene Gene
Autor/Regie/Schnitt: Wolfgang Konrad, Ursula Hansbauer, Clemens Stachel
Kamera: Leena Koppe
Produktion: Wolfgang Konrad, LucFilm Wien
Musik: Barbara Konrad, Klaus Lang
Verleih: DANIEL PRAMBERGER International Distribution filmdelights Wien


Begründung der Jury:
Gentechnik, die ohne gründliche Erforschung ihrer Langzeitwirkungen eingesetzt wird, hat bei der Ökofilmtour oft Kritik erfahren. Dieser Film aber erzählt von den Mühen, die Artenvielfalt zu verstehen und für die Zukunft zu retten. Wissenschaftler des Leningrader Wawilow-Instituts verhungerten dafür im Krieg, ohne ihre Saatgutsammlung anzurühren.
Die Autoren geben einen beeindruckenden Einblick in die Geschichte der Genetik mit ihren vielen kaum bekannten historischen Zusammenhängen von Irrtümern und epochalen Entdeckungen wie die Entschlüsselung des menschlichen Genoms. Wohl wissend, dass der Mensch genetisch nur ein Teil der Natur ist, macht diese Anschauung der Welt den Zuschauer umweltbewusster.
Ein Film, der in Deutschland noch oft gezeigt werden und der an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde "Kultstatus" haben sollte.



Zukunftsfilmpreis für "Goldene Gene" Prof. Dr. Wilhelm-Günther Vahrson (Präsident der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde), Ursula Hansbauer (Regisseurin), Monika Griefahn (Juryvorsitzende)




Horst-Stern-Preis für den besten Naturfilm
dotiert mit 5.000 Euro von der Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg
Passion for Planet
Autor/Regie/Kamera: Werner Schuessler
Schnitt: Annette Muff, Johanna Czakalla, Stine Munch
Produktion: are u happy films, INDI Film
Musik: Jörg Magnus Pfeil, Siggi Müller, Patrick Puszko
Verleih: Camino Filmverleih


Begründung der Jury:
Der Regisseur begleitet sechs der renommiertesten Naturfilmer rund um den Globus und lässt uns ihre Leidenschaft und ihre Mühen bei der Filmarbeit miterleben. Denn es geht bei weitem nicht nur um spektakuläre Bilder von Tieren, damit wir staunen. Die präsentiert uns dieser Film natürlich auch. Es geht zugleich um die Zerstörung ihres Lebensraumes und damit auch unserer Welt: um das Artensterben - und was man dagegen tun kann.
So werden aus Filmemachern oft auch Umweltaktivisten, die in den verschiedensten Regionen der Welt Mitstreiter suchen. Ganz im Sinne von Horst Stern werden hier die Beziehungen von Mensch und Tier als ein gemeinsamer Überlebenskampf gezeigt. In den Episoden baut sich bis zum Schluss Spannung auf, die auch den Zuschauer aktiviert, selbst etwas gegen das Artensterben zu tun.



Horst-Stern-Preis für den besten Naturfilm "Passion for Planet": Monika Griefahn (Juryvorsitzende), Werner Schuessler (Regisseur), Dr. Bernhard Schmidt-Ruhe (Geschäftsführer der Stiftung NaturSchutzFonds)




Hoimar-von-Ditfurth-Preis für die beste journalistische Leistung
verliehen durch die Deutsche Umwelthilfe e.V.
Milchflut – Melken bis zum Ruin
Autoren: Monika Anthes, Edgar Verheyen, Christoph Würzburger
Regie: Thomas Michel
Kamera: Ralf Gemmecke, Roland Fenselau, Florian Lengert
Produktion: SWR-Reihe „betrifft“


Begründung der Jury:
Mit der Aufhebung der Milchquote hat die Europäische Union im April 2015 ein Paradoxon produziert: Der Markt sollte das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage richten – in der Realität ist nun Vollmilch billiger als Mineralwasser und Milchbauern melken sich reihenweise buchstäblich in den Ruin.
Die Autoren schildern dieses Problem in ebenso anschaulichen wie emotionalen Bildern und Interviews, auch dank sympathischer und kompetenter Protagonisten. Viel Geld und Zeit wurde in diese Langzeitbeobachtung investiert, damit wir dieses Paradoxon unserer Gegenwart verstehen lernen. Dass mit unseren subventionierten Exporten durch die Zerstörung der Märkte auch Bauern in Afrika ihren Job verlieren und so der Zusammenhang mit dem Flüchtlingsstrom hergestellt wird, steht für die besondere Rechercheleistung dieses Films.




Hoimar-von-Ditfurth-Preis für die beste journalistische Leistung
verliehen durch die Deutsche Umwelthilfe e.V.
Was von Kriegen übrig bleibt
Autoren/ Regie: Karin Leukefeld, Markus Matzel
Kamera/Schnitt/Produktion: Markus Matzel
Redaktion: Johanna Holzhauer (WDR „Tag 7“), Klaus Wölfle (BR)


Begründung der Jury:
Auf einer Messe für Waschmaschinen werden als Ergebnis z.B. saubere Kleider gezeigt. Aber keiner mag auf einer Rüstungsmesse die Bilder sehen, die der Anwendung dieses Geräts folgen. Auch in Zeiten fast täglicher Kriegsberichterstattung im Fernsehen werden sie wohlweislich ausgeblendet. Über unsere Rüstungsexporte erfahren wir nur, dass sie Arbeitsplätze sichern, und viel zu wenig über den Zusammenhang mit den Flüchtlingsströmen, mit Krieg, Leid und Zerstörung.
Dieser Film der WDR-Kirchensendung "Tag 7" und des Bayerischen Rundfunks gibt seltene Einblicke in die internationalen militärisch-industriellen Verflechtungen und ihre zynischen Folgen. Der Preis gilt nicht nur dieser besonderen journalistischen Leistung, sondern soll auch dem Mut dieser Redaktionen gelten, solche harten und mitunter nur schwer zu ertragenden Bilder nicht auszublenden. Kritische Autorinnen und Autoren, die uns und die verantwortlichen Politiker hier zu aktiver Weltsicht führen, handeln im Auftrag der Zuschauer. Die Jury möchte mit dieser Auszeichnung auch andere Fernsehsender für solche Themen ermutigen.



 




Bester Kinder- und Jugendfilm
dotiert mit 5.000 Euro von der Heinz Sielmann Stiftung
für vier Kurzfilme der WDR-Reihe „Neuneinhalb“:

Ab zum Teich – Lea hilft den Kröten auf die Sprünge
Ausgetütet – Jona bekämpft die Plastikflut
Grünes Wunder – Können Algen das Klima retten?
Spinnereien – Faszination auf acht Beinen
WDR Programmgruppe Kinder und Familie
verantwortliche Redakteurin Manuela Kalupke
tvision GmbH im Auftrag des WDR

Begründung der Jury:
In Smartphone-Zeiten lieben Jugendliche den schnellen Zugriff auf Informationen und Anregungen in kurzen, anschaulichen Videos. Dem wird die WDR-Samstagsreihe Neuneinhalb mit ihren kleinen Reportagen aus vielen Lebensbereichen sehr gerecht. Mit einfachsten Mitteln und dennoch überzeugend klar beschreibt dieses Format zum Beispiel die Hilfe für wandernde Kröten oder Alternativen zur Flut der Plastikbeutel.
Stets begegnen die jungen, im besten Sinne neugierigen und informativen Moderatoren Jugendlichen, die sich für das Thema einsetzen. Dies macht die Reihe besonders anregend, in Umweltfragen auch selbst etwas zu tun. Die Jury zeichnet mit diesem Preis alle vier eingereichten Beiträge aus.



Bester Kinder- und Jugendfilm "Neuneinhalb" Manuela Kalupke (WDR-Redakteurin), Johannes Büchs (Moderator Neuneinhalb), Hellmuth Henneberg (Moderator)




Preis der Stadt Potsdam für die beste künstlerische Leistung
dotiert mit 5.000 Euro vom Klimabündnis der Landeshauptstadt Potsdam
Grüße aus Fukushima
Autor/Regie: Doris Dörrie
Kamera: Hanno Lentz
Schnitt: Frank J. Müller
Produktion: Molly von Fürstenberg, Harry Kügler, Ruth Stadler
Musik: Ulrike Haage
Darstellerinnen: Rosalie Thomass, Kaori Momoi
Verleih: Majestic Film GmbH


Begründung der Jury:
Dieses Kammerspiel stimmt seine Zuschauer sehr nachdenklich. Man spürt nicht nur selbst die unsichtbare Strahlung des atomaren Supergaus auf seiner Haut und teilt das Gefühl des Ausgeliefertseins als Folge einer technologischen Hybris, sondern fühlt mit der Rückkehr von Frau Satomi in ihr verstrahltes Wohnhaus auch, was uns Heimat bedeutet und was Menschen dafür zu riskieren bereit sind. Mit Kaori Momoi (Satomi) und Rosalie Thomass (Marie) begegnen uns nicht nur zwei hervorragende Darstellerinnen, sondern auch die östliche und die westliche Zivilisation.
Und schon sind wir bei Themen wie Toleranz, Religion, Kultur, hilfsbereitem Miteinander, aber auch bei Unverständnis, Missverständnis und Ärger über den anderen. Trauer, Verlust- und Schuldgefühle werden so zur Handlung dieses Films und finden den Weg in unsere Herzen. Ein großes Kunstwerk!



Preis der Stadt Potsdam - für die beste künstlerische Leistung "Grüße aus Fukushima": Doris Dörrie (Autorin), Monika Griefahn (Juryvorsitzende), Cordine Lippert (Koordinierungsstelle Klimaschutz der Landeshauptstadt Potsdam)




Lobende Erwähnung der Jury
Kopfüber

Autor/Regie: Daniel Thomaser
Kamera: Found Foootage
Schnitt: David J. Rauschning
Produktion: Lissi Muschol, Kabinett Film
Musik: Phillip Feneberg

Begründung der Jury:
Wenn dieser Film auch nur drei junge Männer davon abhält, in unbekannte Gewässer zu springen, hat er schon viel erreicht. Aber durch seine ungewöhnliche und bestechende Mischung aus Animation, Amateurfilm und dokumentaren Bildern erreicht er die Empathie jedes Zuschauers. Denn er erzählt ohne Sentimentalität, dafür mit Mut und Humor von einem, der kopfüber ins Wasser sprang und dann vom Arzt erfahren musste, dass er die Beine wohl nie wieder bewegen könne. - Und er zeigt den langen Weg, die neue Lebenssituation zu akzeptieren. Auch die Solidarität seiner Freunde gehört dazu. Die Jury lobt diesen Film, weil er beispielhaft zeigt, wie die soziale Umwelt hilft, auch in scheinbar ausweglosen Situationen den Mut nicht zu verlieren.



Publikumspreis der Ökofilmtour 2017
Landstück
Autor/Regie: Volker Koepp
Kamera: Lotta Kilian
Schnitt: Christoph Krüger
Musik: Ulrike Haage
Produktion: Vineta-Film, RBB
Verleih Salzgeber Medien GmbH


Kurzinhalt:
In der Uckermark wird seit Jahrhunderten Landwirtschaft betrieben. Nach der Wende konnten sich die Äcker erholen, große Naturschutzgebiete sind entstanden, Familienbetriebe haben sich auf ökologischen Anbau umgestellt. Doch die globale Gier nach Land hat auch den Norden Brandenburgs erreicht. Der Staat verkauft Land zu Höchstpreisen häufig an ortsfremde Großinvestoren. Monokulturen, Windräder, Tiermastbetriebe und Biogasanlagen verändern das Landschaftsbild.
Der Film erzählt vom Leben der Menschen aus der Nachbarschaft: Dorfbewohner, Zugezogene, Landwirte und Umweltschützer. Einer von ihnen, Prof. Michael Succow, stammt von dort. Sie berichten von ihrem Alltag, ihren Sorgen und Visionen für dieses dünnbesiedelte Landstück, dessen weitgeschwungene Felder bis zum Horizont reichen. Ein Film über Vergangenheit und Gegenwart, über das Verhältnis von Mensch und Natur.



Publikumspreis "Landstück": Monika Griefahn (Juryvorsitzende), Volker Koepp (Regisseur)





Impressionen vom Auftritt der Musikgruppe IG Blech

   




Festival des Umwelt- und Naturfilms Ökofilmtour
FÖN Förderverein für Öffentlichkeitsarbeit im Natur- und Umweltschutz e.V.
Haus der Natur , Lindenstraße 34 , 14467 Potsdam