Preisverleihung des 7. Festivals für Natur- und Umweltfilme „ökofilmtour 2012“



 



Bester Kinder- und Jugendfilm

Die kleine Welt im Apfelbaum
Autor/Regie: Thomas Willke
Kamera: Joachim Hinz, Urs Wyss
Schnitt: Lars Jordan
Produktion: Büro „wissenschaft und meer“ /SWR, ARTE 2010

Begründungen der Jury
Dieser Film gibt Kindern und Jugendlichen mit einer spannenden Erzählung und ungewöhnlich schönen Aufnahmen Einblicke in eine Lebensgemeinschaft der Natur „vor unserer Haustür“: Ein Apfelhain im Wechsel der Jahreszeiten und der Kamera-Perspektiven. Was sich zwischen den Ästen des Apfelbaumes zuträgt, hat so noch keiner gesehen. Ob im Minihubschrauber aus der Vogelperspektive geschaut oder durchs Stereomikroskop vergrößert, gibt es dort Tierherden im Kleinstformat: Blattläuse, Apfelblütenstecher oder Apfelwickler, die vor der Kamera ihren Lebenszyklus gestalten. Wer die Natur so genau betrachtet, lernt die Zusammenhänge vom Werden und Vergehen sensibler zu verstehen; auch ein Gefühl für die Verantwortung des Menschen, der diese Welt mit den großen und kleinen Tieren teilt.




Bester Naturfilm
dotiert mit 5.000 Euro von der Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg

Fledermäuse – Warte, bis es dunkel wird
Autor/Regie: Volker Arzt, Dietmar Nill
Kamera: Dietmar Nill, Brian McClatchy, Karlheinz Baumann
Schnitt: Brian McClatchy, Harald E. Hohmann
Musik: Jörg Magnus Pfeil
Produktion: Karlheinz Baumann Naturfilme, WDR, ARTE 2010-2011

Begründungen der Jury
Fledermäuse scheuen das Licht, aber ohne Licht - kein Film. Wie es dennoch möglich war, so atemberaubende Bilder von Fledermäusen zu drehen, erstmals überhaupt bei der Balz und bei der Geburt ihrer Jungen dabei zu sein oder in ihre Kinderstube zu schauen, zeichnet diesen ungewöhnlichen Film aus. Zeitlupen-Aufnahmen von Fledermäusen, die Käfer und Nachtfalter jagen oder im Flug an der Wasseroberfläche des Sees in der Uckermark trinken, besitzen einen hohen Erlebniswert. Die Ästhetik so noch nie gesehener Bilder ist immer mit einer lebendigen, wissenschaftlich fundierten Erzählung über diese stark zu schützenden Arten verbunden. Der Zuschauer erkennt ohne didaktischen Zeigefinger: Zerstören wir weiter den Lebensraum dieser sympathischen Säugetiere, den wir nun durch den Film genauer kennen, ginge uns ebenfalls ein großer Reichtum der Natur verloren.




Preis der Stadt Potsdam für die beste künstlerische Leistung
dotiert mit 5.000 Euro von der Koordinierungsstelle Klimaschutz der Landeshauptstadt Potsdam

Und dann der Regen (También la lluvia)
Autor/Regie: Icíar Bollaín, Paul Laverty
Kamera: Alex Catalan
Schnitt: Ángel Hernández Zoido
Musik: Alberto Iglesias
Darsteller: Gael Garcia Bernal (Sebastián), Luis Tosar (Costa), Juan Carlos Aduviri (Daniel/Hatuey)
Produktion: Spanien, Frankreich, Mexiko, 2010
Deutscher Verleih: Piffl-Medien Berlin

Begründungen der Jury
Während der Dreharbeiten zu einem Film mit historisch kritischer Sicht auf Christoph Kolumbus werden der Regisseur Sebastián und der Filmproduzent Costa während der Dreharbeiten in Bolivien in die lokalen Konflikte um die Privatisierung von Trinkwasser für die indigene Bevölkerung hineingezogen. Sie basieren auf den tatsächlichen Ereignissen des Wasseraufstands der Stadt Cochabamba im Jahr 2000. Sogar der Regen wäre den Menschen durch den Verkauf der Wasserversorgung an den US-Konzern Bechtel in Rechnung gestellt worden, wenn sie nicht dagegen aufbegehrt hätten.
Dem Film gelingt es, die verschiedenen Zeitebenen zu einem bildstarken emotionalen Politdrama zu verschmelzen. In geradezu dokumentarischer Atmosphäre werden die Not der indigenen Bevölkerung und ihr Aufbegehren vor allem in der Figur des Daniel und des historischen Hatuey dargestellt. Ein Schauspieler-Ensemble mit großer künstlerischer Überzeugungskraft und Glaubwürdigkeit. Die vom Film ausgelösten Publikumsdiskussionen führten oft auch zu Parallelen in anderen Bereichen der Daseinsvorsorge, in denen Privatisierung ebenfalls soziale Probleme verursacht hat. Der Zuschauer wird hier aufgefordert, Verantwortung zu übernehmen und sich für die soziale Basis unserer Demokratie wie für die gerechte Globalisierung zu engagieren.




Hoimar-von-Ditfurth-Preis für die beste journalistische Leistung
verliehen durch die Deutsche Umwelthilfe e.V.

Taste the Waste – Die globale Lebensmittelverschwendung

Autor/Regie: Valentin Thurn
Kamera: Roland Breitschuh
Schnitt: Birgit Köster
Musik: Pluramon
Produktion: Astrid Vandekerkhove, Valentin Thurn
Koproduktion Schnittstelle Film, Thurn-Film Köln, WDR, NDR u. a. internationale Partner
Verleih: Wfilm, Köln 2011

Begründungen der Jury
Seit September 2011 hat dieser Film die Debatte zur Lebensmittelverschwendung befördert, viele Menschen aufgerüttelt und auch die Politik geweckt. Alle sind sich einig: Lebensmittelverschwendung ist ein riesiges Problem. Doch darf es nicht auf die Diskussion um das Mindesthaltbarkeitsdatum und Schuldzuweisungen an die Verbraucherinnen und Verbraucher reduziert werden.
Mit dem Blick auf den Handel und die Export orientierte EU-Agrarpolitik zeigt der Film, wie sie mit hohen Subventionen einerseits Verschwendung und Überproduktion befördert und den gleichzeitig wachsenden Hunger in der Welt mit verursacht. Denn Vernichtung von Lebensmitteln hier bei uns erhöht die Preise auf dem Weltmarkt und die Klima zerstörenden Gase auf den Deponien. Die Bilder vom unglaublichen Irrsinn der Konsumwelt machen den Zuschauer betroffen.
Der Film betrachtet aber diese Wirkungen sachlich, ohne Pathos und ohne alles Moralisieren. Und einige beispielhafte Initiativen, bei den Jüngsten beginnend, geben die Richtung an, in der vielleicht für die Zivilgesellschaft Auswege zu finden sind.




Radioaktive Wölfe
Autor/Regie: Klaus Feichtenberger
Kamera: Hubert Doppler
Schnitt: Sonja Lesowski
Produktion: Universum EPO Film für ORF, NDR, WNET 2009-2010 – Leitung: Andrew Solomon

Begründungen der Jury
Der wachsende gesellschaftliche Diskurs zum Atomausstieg hat durch die Bilder dieses Films noch einen eindrucksvollen Aspekt erhalten: Erstmals durfte ein Drehteam zeigen, wie sich 25 Jahre nach dem Supergau von Tschernobyl dort trotz höchster Strahlungswerte die Natur ihre ursprünglichen Gebiete zurückerobert hat. Für Mitteleuropa wäre das undenkbar. Dieses Thema trotz der großen Gesundheitsgefahren zu recherchieren und über einen langen Zeitraum zu verfolgen, zeugt von einer besonderen journalistischen Leistung. Es ist ein Fernsehfilm entstanden, dem auch besonders in den Ländern eine große Verbreitung zu wünschen ist, die an der Kernenergie festhalten wollen.




Zukunftsfilmpreis
verliehen vom Bundesdeutschen Arbeitskreis für Umweltbewusstes Management (B.A.U.M. e.V.)

Nie mehr Müll – Leben ohne Abfall
Autor/Regie: Beatrice Sonhüter
Kamera: Ralph Büttner
Schnitt: Angelika Karbe
Produktion: Winka Wulff, Colonia Media, für WDR „Die Story“ 2010

Begründungen der Jury
Das ist die Vision: „Cradle to cradle“ - deutsch: „Von der Wiege zur Wiege“, und heißt mehr als Recycling: Produzieren, ohne dass Abfall dabei entsteht. Der Film zeigt, wie man Produkte gleich bei ihrer Herstellung so erzeugt, dass sie entweder komplett wieder verwertet werden oder aber umweltfreundlich verrotten. Bislang verschwindet davon immer noch ein großer Teil in Müllverbrennungsanlagen. Wie bei jeder Vision gibt es im Alltag auch noch immer Hemmnisse.
Eine neue industrielle Revolution: Möbel, Kleidung, Teppiche, Farben, Kühlschränke, Elektro-Geräte und sogar Fenster sind bereits nach diesen neuen Herstellungsmethoden in den letzten Jahren entstanden. Gerade weil in der Industrie gesehen wird, wie sehr sich bei wachsender Abhängigkeit von Staaten wie China oder Indien die Preise erhöhen, will man dort möglichst viele Rohstoffe wiederverwerten. Dem Film, der so mit dem Zukunftsfilmpreis gefördert wird, gelingt es, diese Perspektive durch überzeugende praktische Beispiele deutlich zu machen.




Lobende Erwähnung der Jury

Das Bild der Prinzessin
Autor/Regie/Kamera: Klaus Morschheuser, Johannes Weiland, Marcus Sauermann, Uwe Heidschötter
Schnitt: Elmar Gutmann, Luna Mohmand, Marcus Sauermann
Musik: Andy Groll
Produktion: Studio Soi, Ludwigsburg für ZDF tivi 2010

Begründungen der Jury
Ob Kind oder Erwachsener, dieser Film spricht alle an. Sein Witz und seine Frische machen Spaß. Die kleine Geschichte regt mit unverstelltem Blick in vielerlei Hinsicht zum Nachdenken an. Kreativität braucht echte Erfolgserlebnisse, nicht nur leeres Lob. Ob ein blinder Gärtner diesen Beruf ausüben kann, ist nicht wichtig, wohl aber sein kritisches Hinterfragen, selbst auf die Gefahr hin, dafür bestraft zu werden.
Eine Prinzessin, die sich am Schluss der kleinen Geschichte so richtig freuen kann, und ein Team, das einen so liebenswerten Film geschaffen hat, verdienen ein besonderes Lob der Jury.




Zuschauerpreis

Hunger

Autor/Regie: Marcus Vetter, Karin Steinberger
Kamera: Thomas Mauch, Holger Schüppel
Schnitt: Saskia Metten
Musik: Peter Scherer
Produktion: EIKON Südwest GmbH/ SWR 2010

Der Dokumentarfilm "HUNGER" erzählt, wie Menschen, Gruppen und Organisationen darum ringen, eine der schlimmsten sozialen, politischen und ökonomischen Tragödien unserer Tage zu lösen: den Hunger in der Welt. In fünf Ländern, oft jenseits der Grenzen von Zivilisation und menschenwürdiger Existenz, stellen Marcus Vetter und Karin Steinberger die Frage, warum bisher viele Konzepte von Entwicklungspolitik versagt haben. Von Haiti, wo die mittellosen Bauern mit den Zauberworten Freihandelspolitik und Strukturanpassung gelockt wurden, bis nach Kenia, wo die Eingeborenen wegen riesiger Blumenplantagen, einen unbezahlbaren Preis für Wasser entrichten sollen.
Warum ist die Bekämpfung von Hunger so schwierig? Fakt ist: Es werden zehn Prozent mehr Lebensmittel produziert als man benötigt, um alle Menschen satt zu bekommen. Was müssen wir ändern, um 7 Milliarden Menschen gerecht zu ernähren?



7. Brandenburger Festival des Umwelt- und Naturfilms Ökofilmtour 2012
FÖN Förderverein für Öffentlichkeitsarbeit im Natur- und Umweltschutz e.V.
Haus der Natur , Lindenstraße 34 , 14467 Potsdam