Bevor sich am 24. Januar der 300. Geburtstag Friedrich II. jährt, wird am 12. Januar, 18 Uhr, im Potsdamer Filmmuseum das 7. Brandenburger Festival des Umwelt- und Naturfilms "Ökofilmtour 2012" mit der diesjährigen Filmgala einer Umweltveränderung in der Zeit seiner Regentschaft gedenken: der Trockenlegung des Oderbruchs von 1747 bis 1762, also noch eines Jubiläums vor 250 Jahren.
Die Trockenlegung des Oderbruchs wurde in einem der rund 70 Festivalorte der Ökofilmtour, in Letschin, bereits mit einem Denkmal gewürdigt. Hier ist man sich auch der Ambivalenz dieses Eingriffs in die Natur bewusst, die seit den großen Niederschlägen im Jahre 2010 mit Binnenhochwasser zurückschlägt. Gerade dieser Landstrich, der wie etwa die Niederlande oder Bangladesh unter dem Meeresspiegel liegt, bekommt die Wetterextreme zu spüren, die von Klimaforschern für die nächsten Jahre vorausgesagt werden. Wird das Oderbruch wieder zu dem, was es einmal war, zur Flussniederung mit mehr als zwei Überschwemmungen pro Jahr? Anita Tack, Ministerin für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg, die stellvertretend für den Schirmherrn Ministerpräsident Matthias Platzeck das Festival eröffnen wird, kann sagen, was im Oderbruch seit dem Hochwasser 1997 getan wurde, um solchen Notsituationen wirksam zu begegnen.
Einer Anekdote zufolge, die der Leiter des Oderlandmuseums Dr. Reinhard Schmook berichten wird, soll Friedrich II nach all seinen Kriegen, die er bis dahin führte, gesagt haben: „Hier habe ich eine Provinz im Frieden erobert!“ Aus dem Widerstand der Bevölkerung gegen die Pläne des schwedischen Staatskonzerns Vattenfall, mit einer Versuchsanlage zur Abspaltung des klimaschädlichen Kohlendioxyds, seiner Verflüssigung und Verpressung in den Untergrund auch des Oderbruchs die Stromgewinnung aus Braunkohle zukunftsfähig zu machen, erhielt die Filmgala ihr beziehungsreiches Motto: „Tatort Oderbruch: Eine Provinz im Frieden erobern?“
Der bekannte Schauspieler Thomas Rühmann und der Musiker Tobias Morgenstern gründeten hier am Oder-Grenzfluss in Zollbrücke das „Theater am Rand“, das ebenfalls seit mehreren Jahren einer der Festivalorte ist. Ein Filmausschnitt: „Bilderbuch – entlang der Oder zur Neiße“, zeigt Rühmann als sensiblen und kenntnisreichen Liebhaber dieser Kulturlandschaft. Es folgt eine Szene aus der Dramatisierung des Schelmenromans von Volker Braun „Machwerk oder das Schichtbuch des Flick von Lauchhammer“, die diese beiden Künstler gemeinsam mit dem Schauspieler Jens-Uwe Bogadtke spielen. Flick, ein moderner Don Quichotte, steht in Neutrebbin im Oderbruch am Bohrloch, wo das CO2 verklappt werden sollte …
Noch stärker wirkt dann dieser Konflikt im Film „Energieland“ von Johanna Ickert, der weniger die technischen Fragen dieses CCS-Verfahrens (Carbon Capture and Storage) als mehr die Ängste der Bevölkerung und die Argumente Vattenfalls zu seiner Durchsetzung zeigt. Seit dem Aus für das CCS-Gesetz im Bundesrat baut Vattenfall darauf, dass andere Unternehmen das CCS-Verfahren weiterentwickeln und zur Serienreife bringen werden. Dann wolle Vattenfall, wie jetzt verkündet wurde, die CCS-Technologie kaufen und in 10 Jahren für ein neues Braunkohle-Großkraftwerk in Jänschwalde nutzen. Wie diese Region mit seinem größten Arbeitgeber künftig in Frieden leben kann, soll im anschließenden Publikumsgespräch mit Dr. Wolfgang Rolland, Geschäftsführer der Vattenfall Europe Carbon Storage GmbH, der Regisseurin Johanna Ickert, dem Sprecher der Bürgerinitiative, und Tierarzt Ulf-Michael Stumpe, der Ministerin Anita Tack sowie der Kultur- und Umweltpolitikerin Monika Griefahn vor allem aber mit den Zuschauern diskutiert werden.
Auch am zweiten Auftakttag des Festivals am Freitag, dem 13. Januar 2011, 18 Uhr, im Kino des Potsdamer Filmmuseums geht es traditionell um die globale Sicht auf Umwelt. Der kürzlich vom Dokumentarfilmfestival in Leipzig ausgezeichnete Film „Generation Kunduz – Der Krieg der Anderen“ wird noch vor seinem bundesweiten Kinostart im Februar 2012 im Festival gezeigt. Autor und Regisseur Michael Gerner, mehrere Jahre Entwicklungshelfer in Afghanistan, hat mit seinem afghanischen Drehteam eine eindrucksvolle Innenansicht des nun schon zehnjährigen Krieges geschaffen. Junge Leute haben ihm vor der Kamera mitunter auch unter Lebensgefahr ihre Hoffnungen für die Zukunft geschildert. Um das Neudenken von Entwicklungshilfe geht es auch im Spielfilm Schlafkrankheit von Ulrich Köhler, der auf der Berlinale 2011 einen silbernen Bären für die beste Regie erhielt.
Die begehrten Preise der „Ökofilmtour 2011“ werden nach dreimonatiger Tournee mit 41 Filmen durch das Land Brandenburg am 18. April 2012 an gleicher Stelle verliehen.



Eröffnungsprogramm

Donnerstag, 12. Januar 2012, 18.00 Uhr

300 JAHRE FRIEDRICH II.

TATORT ODERBRUCH: IM FRIEDEN EINE PROVINZ EROBERN?

Eröffnung des Festivals durch Anita Tack (Ministerin für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg)

Das Oderbruch als friderizianische Kulturlandschaft“
Dr. Reinhard Schmook (Oderlandmuseum Bad Freienwalde)

Filmausschnitt
BILDERBUCH - ENTLANG DER ODER ZUR NEISSE
Dokumentarfilm von Marina Farschid, RBB 2009
Vor rund 250 Jahren siedelten im Oderbruch Kolonisten von überall her. Nach seinen vielen Kriegen soll Friedrich II. gesagt haben: „Hier habe ich eine Provinz im Frieden erobert.“
Von der Schönheit dieser alten Kulturlandschaft berührt, kommentiert der Schauspieler Thomas Rühmann die Reise entlang der Oder, von Zollbrücke über die Kleist-Stadt Frankfurt, durch das wildromantische Schlaubetal bis nach Guben, die Stadt an der Neiße.

Szene aus MACHWERK ODER DAS SCHICHTBUCH DES FLICK VON LAUCHHAMMER von Volker Braun
Flick, ein moderner Don Quichotte, steht in Neutrebbin im Oderbruch am Bohrloch, wo das CO2 verklappt wird…

Thomas Rühmann, Jens-Uwe Bogadtke, Tobias Morgenstern (Theater am Rand Zollbrücke)

Pause



ENERGIELAND
Dokumentarfilm von Johanna Ickert, HFF „Konrad Wolf“ Potsdam 2011, 85 Min.
In welchem Verhältnis stehen Demokratie und Wirtschaft? Der Film zeigt die Lausitz und Ostbrandenburg am Beispiel der CO2-Speicherung als zerrissene Region. Und Mitarbeiter/innen des Energieriesen Vattenfall, ebenfalls um die Zukunft der Region bemüht, nur mit anderen Vorstellungen. Den Konzern, der in die noch zu testende Technologie stark investieren will, locken bei Marktreife und Export satte Gewinne.
Der Film entstand in Kooperation des Konzerns mit der HFF „Konrad Wolf“, Potsdam. Der jungen Regisseurin wurde freie Arbeit zugesagt. Beide Seiten wurden so dokumentiert.

Publikumsgespräch
Monika Griefahn (Umwelt– und Kulturpolitikerin), Johanna Ickert (Filmemacherin), Dr. Wolfgang Rolland (Geschäftsführer der Vattenfall Europe Carbon Storage GmbH), Ulf-Michael Stumpe (BI CO2ntra Oderbruch) und Anita Tack (Ministerin für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg)
Moderation: Cornelia Klauß (Sprecherin des Bundesverbandes kommunale Filmarbeit)



Freitag, 13. Januar 2012, 18.00 Uhr

GENERATION KUNDUZ—DER KRIEG DER ANDEREN
Dokumentarfilm von Martin Gerner, Deutschland 2011, 80 Min.
Innenansicht eines zehnjährigen Krieges, fünf junge Afghanen am Ort des verheerenden deutschen Luftangriffs von 2009: Mirwais (10), noch Kind, redet über Krieg und Frieden fast wie ein Erwachsener. Lokalreporterin Nazanin kämpft für Gleichberechtigung, obwohl sie Burka tragen muss. Student Hasib träumt von freien Wahlen. Ghulam und Khatera drehen mitten im bewaffneten Konflikt einen Spielfilm. Seelenlage einer jungen Generation, die zwischen Taliban und ausländischem Militär aufwächst und sich nach Neuanfang sehnt. Ständig ist der Aufbruch gefährdet, gerät der Alltag zur Gratwanderung. Auch dieser Film entsteht unter Lebensgefahr.

Publikumsgespräch
Martin Gerner (Filmautor) und Dr. Almut Wieland-Karimi (Zentrum für Internationale Friedenseinsätze)
Moderation: Ernst-Alfred Müller (FÖN e. V.)



Freitag, 13. Januar 2012, 21.00 Uhr

SCHLAFKRANKHEIT
Spielfilm von Ulrich Köhler, Deutschland/Frankreich/Niederlande 2010, 91 Min.
Seit fast 20 Jahren leben Ebbo und Vera Velten in verschiedenen afrikanischen Ländern. Ebbo leitet ein Schlafkrankheitsprojekt. Seine Arbeit füllt ihn aus. Vera hingegen fühlt sich zunehmend verloren in der internationalen Community von Yaoundé. Sie leidet unter der Trennung von ihrer Tochter Helen, 14, die in Deutschland ein Internat besucht. Ebbo muss sein Leben in Afrika aufgeben oder er verliert die Frau, die er liebt. Aber mit jedem Tag wächst seine Angst vor der Rückkehr in ein Land, das ihm fremd geworden ist.
Jahre später. Alex Nzila, ein junger französischer Mediziner mit kongolesischen Wurzeln, reist nach Kamerun. Schon lange hat er den Kontinent nicht mehr betreten. Doch statt auf neue Perspektiven trifft er auf einen destruktiven, verlorenen Menschen: wie ein Phantom entzieht sich Ebbo seinem Gutachter. Ein Film, der uns über Entwicklungshilfe neu nachdenken lässt.
Silberner Bär für die beste Regie der 61. Berlinale 2011



7. Brandenburger Festival des Umwelt- und Naturfilms Ökofilmtour 2012
FÖN Förderverein für Öffentlichkeitsarbeit im Natur- und Umweltschutz e.V.
Haus der Natur , Lindenstraße 34 , 14467 Potsdam  
 



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