ÖKOFILMTOUR: Viele kleine Kraftwerke
Regisseur Carl Fechner zeigt im Filmmuseum seine Dokumentation „Die 4. Revolution“

POTSDAM / INNENSTADT - Nach der agrarökonomischen, der industriellen und der Informations-Revolution beschwört Regisseur Carl Fechner die Energie-Revolution. In seiner Kinodokumentation „Die 4. Revolution – Energy Autonomy“, die Fechner innerhalb der Ökofilmtour am Mittwochabend im Filmmuseum vorstellte, will er den Weg in eine Epoche weisen, in der Energie ausschließlich aus Wind, Wasser, Sonne gewonnen wird und kostenlos zugänglich ist. Ohne die Abhängigkeit von fossilen Ressourcen könnte Kapital gerechter verteilt und Machtverhältnisse neu geordnet werden, so die These.

Fechner reiste für seine Dokumentation einmal um den Erdball, stellt zehn beispielhafte Projekte und Vorkämpfer für erneuerbare Energien vor. So werden in Kalifornien elektrobetriebene Sportwagen für Prominente wie George Clooney hergestellt. In Mali und Bangladesh sichern erneuerbare Energien die Existenz zahlreicher Familien. Auf einer Halbinsel im Nordwesten Dänemarks werden rund 50 000 Menschen mit Strom aus Windkraft und anderen erneuerbaren Energien versorgt. Im rheinland-pfälzischen Wörrstadt steht das energieeffizienteste Bürogebäude der Welt.

Vier Jahre dauerte die Produktion des Dokumentarfilms. Während dieser Zeit traf der Regisseur und Drehbuchautor Umweltschützer, Erfinder und Manager, die nur ein Ziel haben: von Erdöl, Kohle, Atomkraft komplett zu erneuerbaren Energien zu wechseln. Zu den Protagonisten des Films gehört auch der SPD-Bundestagsabgeordnete und Träger des alternativen Nobelpreises, Hermann Scheer, der seit Jahren gegen die mächtigen Energiekonzerne streitet, die an den fossilen Ressourcen festhalten. „Das bestehende Energiesystem ist am Ende“, sagte Scheer im Filmmuseum. Die Bevölkerung sei Umfragen zufolge längst bereit, auf regenerative Energien umzusteigen. Demzufolge wünschten sich 90 Prozent der befragten Deutschen mehr Strom aus Sonne, Wind und Wasser, so Scheer. In diesem Zusammenhang sollte der vor vier Wochen im Kino gestartete Dokumentarfilm „positive Emotionen“ für erneuerbare Energien wecken und gleichzeitig Besucher aktivieren, sich für Energie-Autonomie in ihrem Dorf, ihrer Stadt, ihrem Land einzusetzen. Scheer und Fechner setzen auf dezentrale Energieversorgung, auf viele kleine Kraftwerke, auf Passivhäuser und die eigene Solaranlage auf dem Dach. Dagegen hält Scheer nichts von Megaprojekten wie dem geplanten Solarpark „Desertec“ in der Sahara, weil die Investitionskosten „absurd hoch“ seien und die Stromkonzerne nur ihre Monopole sichern wollten.

(Von Ricarda Nowak)


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Lausitzer Rundschau 09.04.2010
MOZ 19. Februar 2010, Märkisches Echo