Der Prignitzer 19. März 2010

Sensible, politische Themen

von Birgit Hamann

RÜHSTÄDT - Eine Massenveranstaltung ist sie auch nach den vielen Jahren noch nicht, in denen sie durch die Prignitz reist. Aber die Ökofilmtour hat sich profiliert. Eine kleine, aber feine, interessierte Gruppe an Zuschauern fand sich zum wiederholten Male im Besucherzentrum in Rühstädt zusammen. Gezeigt wurde der Dokumentarfilm des RBB "Wächter der Wildnis - mit Rangern durch Brandenburg". Einer der insgesamt 99 Ranger, die derzeit in den 15 Schutzgebieten der Mark arbeiten, ist Jürgen Herper. Er stand anschließend für die Diskussion zur Verfügung. Seit 1997 macht er den Job. "Ein sehr schöner Beruf", sagt der Rühstädter, ohne im anschließenden Gespräch mit dem "Prignitzer" zu verschweigen, dass die personelle Ausstattung insbesondere den Naturwächtern, die im Storchendorf stationiert sind, die Sorgenfalten auf die Stirn treibt.

Die Fragen, die Herper dem Publikum beantworten musste, hatten oft politische Hintergründe. So ging es beispielsweise um die Nachhaltigkeit des Anbaus von Mais für Biogasanlagen. Die Nachhaltigkeit sei fraglich, der Anbau aber lukrativ und den Landwirten das Hemd näher als die Hose. Hinterfragt wurde auch die Energiebilanz der Anlagen in Anbetracht der teils weiten Transportwege. Die jetzige Generation hinterlasse der nachfolgenden ausgezehrte Böden, die Politik zwinge allerdings jeden mitzumachen, lautete das skeptische Fazit Herpers sowie eines Landwirtes aus dem Publikum. Angeschnitten wurden auch Themen wie Holzeinschlag, ob er noch normal oder bereits Kahlschlag sei, der Einfluss von Windkraftanlagen auf Tiere oder der Wasserhaushalt der Region.

Für Erfolgsgeschichten war ebenfalls Platz beim Filmabend. So konnte Herper auf Nachfragen aus dem Publikum berichten, dass sich die Kranichpopulation erfreulich gut entwickle. "Um Rühstädt herum orteten wir zwei Brutpaare in der Pfingstweide. Ein bis zwei Junge zieht ein Paar pro Saison auf."

Durch mehr als 50 Orte Brandenburgs tourt das Festival des Umwelt- und Naturfilms dieses Jahr. Gezeigt werden insgesamt rund 40 Filme für alle Altersgruppen. "Es gibt ein großes Spektrum an Filmen mit Natur- und Umweltthemen, die sonst vom Publikum kaum wahrgenommen werden", machte Jury-Sprecherin Monika Griefahn in Potsdam deutlich. Insbesondere seit dem Scheitern des Klimagipfels in Kopenhagen seien Ökofilme wichtiger denn je, so Griefahn.

In der Prignitz organisiert die Ökofilmtour von Beginn an Kathleen Awe vom Nabu Rühstädt. An jedem Spielort muss sie sich auf neues Publikum und andere räumliche Bedingungen einstellen. Es gab Veranstaltungen in großen Sälen, in denen sich nur wenige Zuschauer in der ersten Reihe verloren, es gab aber auch schon Filmvorführungen, bei denen die Spielstätten aus allen Nähten zu platzen drohten, wie beim ZDF-Zweiteiler "Die Reise der Störche", der bei einer früheren Tour in Rühstädt gezeigt wurde. Mit dabei war einer der Macher, der Ornithologe Michael Kaatz.

"Am 28. März, dem Tag nach der Zeitumstellung, wollen wir mit einem Filmnachmittag im Besucherzentrum mal etwas Neues probieren. Ich hoffe, es kommen viele", sagt Kathleen Awe.


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