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Ökofilmtour in Forst auf der Spur der Wölfe
FORST Ein Wolfsfell, Wolfsgebiss oder Losung von Isegrim haben am Dienstagabend im Textilmuseum Forst großes Interesse bei den Besuchern gefunden. Grund dafür war eine Veranstaltung die im Rahmen des Festivals des Umwelt- und Naturfilms „Ökofilmtour 2010“ in der Rosenstadt stattfand, das drei Monate lang durch mehr als 50 Brandenburger Orte zieht.
Auch das Textilmuseum ist Gastgeber dieses rollenden Festivals. „Aus den diesjährigen Nominierungen ist ein Programm mit 40 Filmen für alle Altersstufen zusammengestellt worden. Bei den mehr als 60 Vorführungen werden jeweils zwei oder drei Filme präsentiert. Anschließend gibt es Diskussionen mit Experten“, erklärter Ralph Scheel, der am Dienstagabend in Forst als Moderator durch den Abend führte.
Keine Angst vorm Wolf
Fachmann Stephan Kaasche, Referent beim Kontaktbüro Wolfsregion Lausitz, gibt Informationen zu den grauen Jägern. Fast 100 Jahre nach dem der letzte Wolf in Deutschland geschossen wurde, der als „Tiger von Sabroth“ bekannt wurde und jetzt ausgestopft im Museum in Hoyerswerda zu sehen ist, kehrt der Wolf wieder zurück. Stefan Kaasche ist einer der wenigen jungen Menschen in der Gegend, der den Wölfen auf der Spur ist.
Kot und Pfotenabdrücke seien eindeutige Spuren und Zeichen dafür, dass der Urvater des Haushundes auch in der Region um Forst zurückgekehrt ist. „Es gibt keine Gegend, wo der Wolf nicht auftaucht“, so Kaasche, der auch erläutert, dass in Zschorno bei Döbern seit rund drei Jahren ein Wolfspaar lebt. „Ob sie Welpen haben, dahinter steht vorerst jedoch noch ein Fragezeichen“, sagt er. Auch in Bademeusel wurde kürzlich ein Wolf überfahren.
Teil des Jobs von Stephan Kaasche ist die Aufklärung. „Kinder wissen, wie viele Geißlein der Wolf im Märchen gefressen hat oder was Rotkäppchen im Korb trug“, sagt Kaasche, „aber dass er 42 Zähne hat, ist neu für sie“. Kaasche besucht deshalb wie in Forst viele Veranstaltungen, erzählt den Besuchernetwas über Wölfe und deren Paarungszeit und baut Vorurteile gegenüber den Tieren ab. „In freier Wildbahn bedarf es Geduld oder Glück, einem Wolf nahe zu kommen. Wer hat denn von ihnen schon einen Wolf in freier Wildbahn gesehen?“, fragte Kaasche.
Interesse bei Besuchern
Von den rund 30 Besuchern der Veranstaltung melden sich vier. „Um mehr über die Wege der Wölfe zu erfahren, hat das Bundesamt für Naturschutz ein Projekt gestartet, wonach die Tiere per Lappenjagd gefangen und mit Sendern ausgestattet werden. In nächster Zeit sollen weitere drei Wölfe auf diese Art gefangen und mit Sendern ausgestattet werden“, so Kaasche.
Interessant war für viele Forster auch der Film über die Rückkehr der Wölfe. Der Filmemacher Sebastian Koerner zeigt in seinem Streifen unter anderem Welpen aus dem Nochtener Rudel, das sich Koerners Hochsitz näherte. Man sieht, wie sie sich balgen, ein Nickerchen machen. Die Jährlinge, die Älteren Geschwister, kommen heran und würgen den Jüngsten Futter hoch. Irgendwann wittern die Eltern den Menschen und traben davon – gefolgt vom Nachwuchs.
„Lausitzer Wölfe leben in Familienverbänden“, sagt Kaasche. „Bei uns in der Lausitz“, erklärt er, „verlassen geschlechtsreife Jungtiere ihr Rudel, suchen sich neue Räume und einen Partner“. Wölfe bevorzugen störungs- und menschenarme Gebiete. Sie besiedeln Truppenübungsplätze und die Folgegebiete des Braunkohletageabbaus und sie schlafen unter Windkraftanlagen. Im Büro Lupus sind Hunderte Meldungen zu Wolfssichtungen eingetroffen. „Schäfer wie Frank Neumann aus Rohne, die elektrische Euronetzzäune gebaut und Herdehunde haben, sagen, dass sie mit dem Wolf leben können“, so Kaasche. Kein Wolf werde als Problemwolf geboren. Dennoch könne es sein, das ein Wolf einmal gefährlich wird. Ein Grund könne das Anfüttern sein, erklärt Kaasche.
Die Forster Besucher zeigten sich nach den Erläuterungen des Wolfsexperten begeistert. „Eine schöne Veranstaltung. Toll, was der Mann für ein gutes Wissen über die Wölfe hat“, so Besucher Hartmut Seidel. Renate Panoscha und Doris Schulze sehen sich auch im Fernsehen oft Naturfilme an. „Wir haben heute viel über die Wölfe in der Lausitz erfahren und wissen nun, dass es durchaus sein kann, dass auch wir mal einen Wolf hier in der Region begegnen können.“
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MOZ 25.03.2010 Der Prignitzer 19. 3. 2010
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