Der weltweit wärmste Januar

Lindenberg (ima) Eine Spitzenposition in der Statistik hat dieser Winter nicht erreicht. Mit durchschnittlich -1,9 Grad gehört er zu den kälteren, aber nicht zu den extremen Wintern. "Er war nicht so außergewöhnlich", lautete das Fazit von Frank Beyrich vom Oberservatorium des Deutschen Wetterdienstes in Lindenberg am frühen Dienstagabend.
Das Observatorium und das Wettermuseum Lindenberg hatten zur Ökofilmtour mit anschließender Diskussion eingeladen. Gezeigt wurde die TV-Dokumentation "CO 2 - Erde außer Atem". Auch dieser Winter passt ins Bild der Erderwärmung: Während die Europäer froren, war es andernorts deutlich zu warm, im Nordpolargebiet zum Beispiel. Dieser Januar war nach Angaben der Meteorologen weltweit der wärmste, seitdem globale Mitteltemperaturen berechnet werden. Auch die mehr als hundertjährigen Messreihen des Observatoriums zeigen einen stetigen Anstieg der Temperaturen.
Dass vor allem die Menschheit die Schuld an der globalen Aufheizung trägt, ist nicht unumstritten. Bernd Stiller vom Wettermuseum erzählte, dass er immer wieder auf Besucher trifft, die den menschgemachten Klimawandel bezweifeln. Bei der Debatte im Observatorium schienen die Skeptiker allerdings zu fehlen. Zu einer kontroversen Diskussion kam es nicht. Dafür wurde es ein sehr informativer Abend.
Die Veranstalter hatten den Umweltmeteorologen Eberhard Schaller eingeladen, Professor an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus. Schaller und seine Kollegen berechnen Szenarien für regionale Klimaveränderungen. Um zwei bis drei Grad könnte es bis Ende dieses Jahrhunderts in Brandenburg wärmer werden. "Momentan ist dieser Wandel noch moderat, doch er wird sich beschleunigen", sagte Schaller.
Zwei Grad mehr, das müsste doch auszuhalten sein, meinte einer der Gäste. Für Schaller ist das auch eine Sache von frühzeitigen Anpassungsstrategien, im Wohnungsbau zum Beispiel. Er sieht darin auch wirtschaftliche Chancen. Die Speicherung von CO 2 im Boden, die in der Beeskower Region erkundet werden soll, könnte die Atmosphäre durchaus entlasten, erklärte Schaller auf MOZ-Nachfrage. "Falls das Vergraben von CO 2 funktioniert", schränkte er ein. Das ist für den Umweltmeteorologen noch eine offene Frage.
Das Wettermuseum zeigt am Sonntag, 28. März, ab 15 Uhr den Film "Home" über die Schönheit und Gefährdung der Erde.


Druckversion


MAZ 17.03.2010
Lausitzer Rundschau 25.03.2010