ÖKOFILMTOUR: Bleifreie Munition ist Dauerbrenner
Heiße Diskussion im Brandenburgischen Forstmuseum zum Film von Uta Greschner

FÜRSTENBERG - Greifvogelexperte Paul Sömmer und der Vorsitzende des Kreisjagdverbandes Franz Sudermann, die nach dem Film beide im Präsidium Platz nahmen, sowie reichlich Grünröcke unter den Zuschauern, ausgewiesene Naturfreunde und Naturschützer garantierten eine spannende Diskussion im Brandenburgischen Forstmuseum in Fürstenberg. Gezeigt worden war in der Reihe „Ökofilmtour“ der Dokumentarfilm „Der bleifreie Schuss – Glückstreffer für den Seeadler“.
An der Tatsache, dass immer wieder tote Seeadler gefunden werden, die mit der Nahrung reichlich zersplittertes Munitionsblei aufnahmen, gab es keine Zweifel. Auch nicht daran, dass durch Schutzmaßnahmen in Deutschland wieder gut 600 Brutpaare leben, vor allem in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Die wortreiche Auseinandersetzung kulminierte in der Frage der Jagdfraktion, ob die Jagd mit bleihaltiger Munition überhaupt die Ursache für den Tod der edlen Vögel sei, die wegen ihrer Kraft und Kühnheit verehrt werden. Das brachte Paul Sömmer von der Vogelschutzstation Woblitz mit Fakten und Zahlen auf den Plan. Unter anderem berichtete er von einem US-amerikanischen Experiment, bei dem Hühner mit bleihaltigem Futter ernährt wurden. 50 Prozent der Vögel starben. Die Jagdwaffenfreunde hielten dagegen. Es sei nicht erwiesen, dass Blei sich im Magen auflöse.
Diese Details gingen vielen zu weit. Uwe Kittler, der Sprecher der Bürgerinitiative Brandenburger Wald, betonte, dass seit langem bekannt sei, dass Blei für den Menschen schädlich ist. Deshalb wären alle Bleiwasserleitungsrohre ausgetauscht worden. Dann kam die Diskussion auf den eigentlichen Punkt, die Argumente der Munitionsindustrie, die von den konservativen Jägern gern angenommen werden. Bleifreie Munition sei nicht so treffsicher. Das entspreche nicht dem weidgerechten Töten. Paul Sömmer und andere argumentierten, dass die Jagdwaffenindustrie bestimmt kein Interesse an teurer Weiterentwicklung bleifreier Munition habe, wenn die meisten Jäger den traditionellen bleireichen Schuss setzten. Selbst wenn ausländische Vorbilder oder die Großversuche mit bleifreiem Jagen in Schleswig-Holstein, in Mecklenburg-Vorpommern und auch in Brandenburg, die allerdings 2009 abgebrochen wurden, erfolgreich seien, würde es lange dauern, bis einschlägige Rechtsvorschriften zur „bleifreien“ Jagd mit Übergangsfristen für bisher übliche Jagdmunition vorliegen. So stand des einen Leid – des anderen Freud ständig unsichtbar im Raum. Das zog sich auch durch den zweiten Filmtag mit dem französischen Film „Home“, eine filmisch perfekte Ode auf den Planeten Erde und sein zerbrechliches Gleichgewicht, sowie beim „Projekttag Wald“ für Schüler mit Filmen „Es war einmal“, „Wildnis Wald“ und „Können Schweine Strom erzeugen“. (py)


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MOZ 10.02.2010
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