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Märkische Allgemeine, Neues Granseer Tageblatt, 13.02.2010 Zu viel schöne heile Welt
Ökofilmtour am Donnerstag in Menz / Kritische Stimmen zum Zweiteiler „Mythos Wald“
Im Rahmen der Ökofilmtour wurde am Donnerstag in Menz der Zweiteiler „Mythos Wald“ gezeigt – mit Bildern, die viele Zuschauer viel zu schön fanden für die Realität.
Von Margot Schöning
MENZ Eigentlich wollte Naturparkleiter Mario Schrumpf den Film „Der bleifreie Schuss – Glückstreffer für den Seeadler“ nach Menz holen. Doch der war schon vom Fürstenberger Forstmuseum für den 24. und 25. Februar geordert worden. Deshalb entschied sich Schrumpf für die Dokumentation „Mythos Wald“. Das Thema Landschaftsökologie und biologische Vielfalt im Verbund mit einem noch immer geheimnisvollen Wald, wie die Autoren Jan Haft und Gerwig Lawitzky es sehen, sagten ihm zu. So flimmerten am Donnerstagabend 90 Minuten lang zwei Teile einer wunderbar gefilmten Wald-Dokusoap über die Leinwand der Regionalwerkstatt und zeigten eine heile Waldwelt, die es bestenfalls in einigen Naturparkecken noch gibt. Der Titel „Mythos Wald“, der sich aus dem Altgriechischen herleitet und sich mit Märchen beziehungsweise sagenhafte Geschichte übersetzen lässt, schien treffend gewählt. „Illusion Wald“ wäre passender gewesen. Uwe Kittler, Sprecher der Bürgerinitiative „Brandenburger Wald“, und Wolfgang Henkel, Vorsitzender des Fördervereins „Naturlandschaft Stechlin und Menzer Heide“, sprachen dann auch von „verkehrter Welt“. Aus den Reihen der Zuschauer tönte Oberforstmeister a. D. Hansjürgen Dünnbier, dass es so tolle Tiere wie röhrende Hirsche hier gar nicht mehr gäbe. Er sei im letzten Herbst auf Pirsch nach brünstigen Hirschen gewesen und enttäuscht aus dem heimischen Wald zurückkehrt. Dann kamen Probleme auf den Tisch: die Entzauberung des Waldbildes durch die ordentlich gezogenen Schneisen für die Erntemaschine Harvester, die Zerstörung des Waldbodens, die Technisierung des Waldes, die mangelhafte Hege und Pflege und der Personalabbau. Unter den zahlreichen Zuschauern saßen auch Oberförster Hagen Mikuszeit und Naturwächter Thomas Hahn, die sich zwar der Stimme enthielten, aber oft zustimmend nickten. Dietrich Mehl vom Landesbetrieb Forst Brandenburg, designierter Leiter des Betriebsteils Templin, der im Präsidium gewissermaßen in die staatliche Verteidigungsrolle gedrängt war, hatte es nicht leicht, mit den kritischen Stimmen umzugehen und vom positiven Wirken der Forstverwaltung beim ökologischen Umbau des Waldes zu überzeugen. Uwe Kittler brachte es auf den Punkt. Der erste Teil des Dokumentarfilms hätte gut und gern den schönen Wald zeigen können, wenn im zweiten Teil die verkehrte Realität wieder gerade gerückt und die Probleme beleuchtet worden wären. Die Ökofilme, die er in den Jahren zuvor gesehen habe, seien kritischer gewesen. Damit schnitt er ein Thema an, das sich durchgängig durch alle Sendeanstalten zieht. Kritischer Journalismus, der nicht vordergründig die Wünsche von Wirtschaft und Regierungen bedient, werde immer weniger gewollt, äußerte auch Moderatorin Uta Grescher. Als Fernsehjournalistin erlebe sie gerade, dass nach 20 Jahren das anerkannte rbb Umweltmagazin „Ozon“ eingestellt beziehungsweise in monothematische Features und Reportagen zu Umwelt- und Wissenschaftsthemen verwandelt werden soll. Darüber hinaus hätten ökokritische Beiträge einen Sendeplatz, bei dem die arbeitende Bevölkerung schon längst schläft.
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MAZ, Neues Granseer Tageblatt, 05.02.2010 MOZ 10.02.2010
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