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UMWELT: Plädoyer für eine Moral des Verzichts
Ökofilmtour mit Klaus Töpfer
POTSDAM / INNENSTADT - Mit Mahnungen an die ökologische Vernunft in Bild und Ton ist am Freitagabend die Auftaktveranstaltung der 5. Ökofilmtour im Filmmuseum zu Ende gegangen. Vier von insgesamt 40 ausgewählten Umweltfilmen aus aller Welt wurden an zwei Veranstaltungsabenden vorgeführt und in Publikumsgesprächen mit geladenen Klimaschutzexperten besprochen – darunter auch der Ex-Bundesumweltminister und Gründungsdirektor des neuen Instituts für Klimawandel, Erdsystem und Nachhaltigkeit (IASS) Klaus Töpfer.
Neben dem Biologen und Alternativen Nobelpreisträger Michael Succow stellte er sich nach der Vorführung des britischen Ökofilms „The Age of Stupid“ („Das Zeitalter der Dummheit“) den Fragen und Meinungen des Publikums. Dabei begrüßte er vor allem die thematische Breite des essayistisch-dokumentarischen Films von Regisseurin Franny Armstrong, die ausgehend von einem Endzeitszenario im Jahr 2055 Rückblenden auf die gegenwärtige Ignoranz gegenüber der drohenden Klimakatastrophe zeigt.
„Es gibt nach wie vor eine immense Spannung zwischen dem, was wir wissen und dem, was wir tun“, sagte Töpfer und plädierte für die Transformation des Einzelnen hin zu einem bewussteren Umgang mit natürlichen Ressourcen.
Ganz frei von den Sünden einer modernen Wegwerfgesellschaft ist aber auch Töpfer nicht, der als Exekutiv-Direktor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) jahrelang in Nairobi lebte. „Ich bin mit meiner Frau 46 Jahre verheiratet“, antwortete er auf die Publikumsfrage, was jeder Einzelne gegen den Klimawandel tun könne. „Wenn ich mir überlege, wie viele Salzstreuer wir in dieser Zeit gekauft haben! Die anderen funktionierten alle immer noch.“ Man müsse lernen, sich einzuschränken und akzeptieren, dass langfristige Veränderungen immer auch kurzfristige Belastungen mit sich brächten.
Töpfer selbst verantwortet seit der Gründung des IASS im vergangenen Jahr die Schaffung der passenden Arbeitsbedingungen für bis zu 50 Gastwissenschaftler, deren Forschung sich derzeit unter anderem auf Perspektiven der Abfallverwertung und Kreislaufwirtschaft konzentriert. Dabei gehe es vor allem um die Frage, wie Kohlendioxid aus der Atmosphäre „zurückgeholt“ und industriell nutzbar gemacht werden könne.
Mit dem Standort des Instituts auf dem ehemaligen Bundesbankgelände in der Helmholtzstraße sei er mehr als zufrieden. „Das Gebäude hat in Potsdam sicher die meisten Tresore“, witzelte Töpfer. „Wir können also alles einschließen, was erhaltenswert ist.“
info Die Ökofilmtour ist am 10. Februar wieder in Potsdam. Dann werden im Haus der Natur, Lindenstraße 34, die beiden Filme „Alles Schrott“ und „Endstation Chaos“ gezeigt. (Von Judith Görs)
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MAZ 16.01.2010 PNN 16.01.2010
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