fand am Mittwoch, dem 17. April 2013 um 19 Uhr im Potsdamer Hans-Otto-Theater statt. Für das Musikalische Rahmenprogramm sorgten Axel Prahl & Andreas Dresen mit Band. Carla Kniestedt (rbb) führte durch das Programm.
Die Preise und Preisträger
Bester Kinder- und Jugendfilm dotiert mit 1.000 Euro von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde
Rising Hope Regie: Milen Vitanov Autoren: Milen Vitanov, Vera Trajanova Kamera: Olaf AueAnimation: Milen Vitanov, Lars Krüger, Martin Freitag, Nikolai Neumetzler, Michael Herm Produktion: Studio „Talking Animals“ /ZDF, HFF „Konrad Wolf“ 2012
Begründung der Jury: Kaum ein Film könnte die menschliche Sehnsucht nach der Natur wohl unpathetischer ausdrücken als die Animation jener wachsenden Hoffnung des Rennpferdes „Rising Hope“ auf Ruhe, Vogelgezwitscher und saftige grüne Landschaft - soweit das Auge reicht. Die dafür erfundene humorvolle Parabel ist voller Details und Metaphern über die heutige auf Wettbewerb orientierte Lebensweise, die krank macht. Wenn Leistung ausbleibt, endet die Karriere. Die originellen Figuren sind handwerklich perfekt gestaltet. Die Handlung mit jähen pointierten Wendungen vermeidet jede vordergründige Belehrung. Die Ästhetik der Bildsprache spricht Zuschauer jeden Alters an und bewirkte durch die sensiblen bis turbulenten Situationen vor allem bei Kindern und Jugendlichen Zustimmung und laute Begeisterung.
Bester Naturfilm dotiert mit 5.000 Euro von der Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg
Die Cevennen – Kulturlandschaften Europas Autor/Regie: Susann Reichenbach und Olaf Jacobs Kamera: Andreas Stahl Schnitt: Tom Chapman Produktion: Olaf Jacobs, Hoferichter & Jacobs GmbH - 2012
Begründung der Jury: Der Film überrascht mit einer für ihren sanften Tourismus wenig bekannten Kulturlandschaft im Süden Frankreichs. Die Vielfalt dieses Mittelgebirges hat viel mit der Geschichte der Menschen zu tun, die hier lebten. Sie legten auf kargen Hochplateaus landwirtschaftliche Terrassen an und formten so maßgeblich die grünen Täler. Eindrucksvoll werden die geschichtlichen Spuren mit den Geschichten der Menschen verbunden, die nach langer Zeit diesen ältesten französischen Nationalpark wieder besiedelten und dort bis heute in Harmonie mit der Natur leben. Seit 2011 gehört er zum „UNESCO-Welterbe der Menschheit“. Mit den filmischen Mitteln, wozu auch die ruhigen, ästhetisch reizvollen Kamerabilder gehören, bis hin zum angemessenen Kommentar hat dieser Naturfilm die Jury durch seine beispielhafte Gestaltung überzeugt.
Zukunftsfilmpreis dotiert mit 5.000 Euro von der Stiftung Lebendige Stadt Hamburg, verliehen vom Bundesdeutschen Arbeitskreis für Umweltbewusstes Management (B.A.U.M. e.V.)
Der große Irrtum Autor/Regie/Schnitt/Produktion: Dirk Heth und Olaf Winkler Kamera: Dirk Heth
Begründung der Jury: Ein zukunftsweisender Film, der „unter die Haut“ geht und tief hinein in die deutsch-deutsche Geschichte führt - über fast zwei Jahrzehnte zurück nach Eggesin, Magdeburg oder München. Bohrende Fragen über die soziale Situation der deutschen Gesellschaft werden gestellt, mit denen sich der Zuschauer identifizieren kann. Der Erzähler ist Kameramann. Er verbindet authentische Bild-Ebenen der Vergangenheit und Gegenwart mit immer neuem Mut seiner Protagonisten: Ihre Utopien beim Zusammenbruch der DDR und die neuen Ideen danach. Der Film gerät nie ins Ideologisieren, aber „Bürgerarbeit“ statt deprimierender Arbeitslosigkeit erweist sich als großer Irrtum. Eine dokumentarische Bildgestaltung, die man so schnell nicht vergisst, für ein ungewöhnliches Zeitdokument, das selbst noch aus Niederlagen Hoffnung schöpft.
Preis der Stadt Potsdam für die beste künstlerische Leistung dotiert mit 5.000 Euro vom Klimabündnis der Landeshauptstadt Potsdam
Raising Resistance Autor/Regie: Bettina Borgfeld und David Bernet Kamera: Marcus Winterbauer, Börres Weiffenbach Schnitt: Inge Schneider Musik: Ali N. Askin Produktion: Deutschland, Schweiz Oliver Stoltz, Dreamer Joint Venture Verleih: Pandora – Kinostart: 2012
Begründung der Jury: Ein Kinofilm, der diesem Festival entspricht: Gerechte Globalisierung fordern die Campesinos in Paraguay angesichts der Sojafelder bis zum Horizont, die ihnen und ihren Kindern mit giftigen Pestiziden und gentechnisch erzeugten Monokulturen die Zukunft rauben. Der Film dokumentiert diesen Kampf auf Augenhöhe mit den Protagonisten außerordentlich plastisch, ein genaues Bild der Ereignisse, die nicht extra kommentiert und erläutert werden. Die fein abgestimmte Musik gesellt sich als selbständige Sprache dazu. Dem Zuschauer wird in schönsten Bildern gezeigt, wie die Natur verödet, gleichsam mit der Erosion der sozialen Chancen der Kleinbauern und mit den wachsenden Gewinnen der Soja-Großbauern, Gentechniker, Börsenspekulanten und Politiker, die alle zu Wort kommen. Fazit: Welches Wachstum brauchen wir? Was taugen unsere Klimaschutz-Anstrengungen hier, solange wir für die Futtermittel unserer industriellen Massentierhaltung in anderen Teilen der Welt den Regenwald vernichten und so die für das Klima wichtige Natur opfern?!
Zuschauerpreis
Schweine für den Müllcontainer A: Edgar Verheyen K: Jens Köppelmann, Julius Dolard, Marco Peschmann, Robert Rosenzweig, Frank Waldschmitt R: Kai Henkel, Thomas Schneider P: NOVA Entertainment SWR-Reihe: „betrifft“ 26.09.2012
55 Millionen Schweine werden jährlich geschlachtet. Ein Drittel davon landet nicht in der Bratpfanne, sondern auf dem Müll. Riesige neue Tierfabriken entstehen, hoch subventioniert, die industrielle Schweinezucht boomt. Ist der Verbraucher schuld?
Hoimar-von-Ditfurth-Preis für die beste journalistische Leistung verliehen durch die Deutsche Umwelthilfe e.V.
Kaufen für die Müllhalde Autor/Regie: Cosima Dannoritzer Kamera: Marc Martinez Sarrado Schnitt: Georgia Wyss Produktion: Media 3.14 – Article Z, TV Spanien, Koproduktion mit ARTE France Redaktion: Claudia Bucher 2011
Begründung der Jury: Das, was Zuschauer allzu oft schon selbst erfuhren, hat seit dieser Dokumentation einen Namen: „geplante Obsoleszenz“. Journalistisch groß angelegt ist die Suche nach den historischen Anfängen und Gründen für dieses Grundprinzip der Konsum- und Wegwerfgesellschaft, das die vorsätzliche Verkürzung der Lebensdauer von Beginn an vorsieht. Dank Billigproduktion und verschwenderischem Rohstoffeinsatz ist es zum Grundpfeiler der Überflussgesellschaften und ihres Fetischs Wirtschaftswachstum geworden. Eine weltweite Flut von Wohlstandsmüll und schwindende Ressourcen sind die Folge. Der Film ist ein journalistisches Meisterwerk. Er zeigt, wie verhängnisvoll dieses Mittel zur Ankurbelung der Konjunktur ist und bietet dem Kapitalismus sogar Lösungswege an, um nicht schon in naher Zukunft sich und uns alle zu vernichten.
Hoimar-von-Ditfurth-Preis für die beste journalistische Leistung verliehen durch die Deutsche Umwelthilfe e.V.
Das ZDF-Doku-Format "planet e." mit den Sendungen „Räuber der Meere“, „Tod im Bienenstock“, „Weltenretter 3.0“ und „Die Wölfe kommen“ Leitung der Umweltredaktion: Volker Angres Autoren: Winfried Schnurbus, Bernd Welz, Jana Lemme, Axel Gomille
Begründung der Jury: Die Jury würdigt mit dieser Auszeichnung insgesamt das hohe journalistische Niveau dieser Sendereihe, die seit Oktober 2011 regelmäßig wichtige Natur- und Umweltschutz-Themen in den gesellschaftlichen Disput stellt. Durch die Umweltredaktion des ZDF wird dieser Bildungsauftrag im öffentlich-rechtlichen Fernsehen über mehr als 20 Jahre in der Tradition Hoimar von Ditfurths repräsentiert. Beispielhaft zu nennen sind dafür die investigativen Recherchen und die originelle dramaturgische Gestaltungsform jeder einzelnen für dieses Festival nominierten Sendung. Sie geben neben der Brisanz an Informationen auch eine Sicht auf die globalen Wirkungen und finden einen sehr emotionalen Zugang zu den Umweltthemen. Als Protagonisten werden Persönlichkeiten vorgestellt, mit denen sich vor allem junge Zuschauer sehr gut identifizieren können. Auch die überzeugende Kraft, mit der die Sendungen von Volker Angres, dem Leiter der ZDF-Umweltredaktion, den Zuschauern präsentiert werden, gibt diesem Sendeformat ein unverwechselbares Gesicht.
„Die Ökofilmtour ist mehr als Kino und hat sich längst zu einem bundesweit beachteten Festival entwickelt. Es gibt in Deutschland kein anderes Festival, das so gezielt Umweltfilme, soziale Kernfragen unserer Zeit und Zukunftsthemen miteinander verbindet“, sagte Brandenburgs Umweltministerin Anita Tack, die auch die Schirmherrschaft für das Festival übernahm, zur Eröffnung im Januar in Potsdam. 45 Fernseh- und Kinofilme sowie 11 Kurzfilme wurden aus 120 Einreichungen für den Wettbewerb ausgewählt. Die Stadt Potsdam und die Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg werden wieder je einen Preis mit 5.000 € dotieren. Rund 200 ehrenamtliche Mitveranstalter der Umwelt- und Naturschutzvereine in mehr als 70 Orten organisieren von Januar bis April 2013 die Tournee durch das Land Brandenburg.
Das „längste Filmfestival Deutschlands“ bietet im Land Brandenburg alljährlich rund 10.000 Zuschauern eine anspruchsvolle Unterhaltung. Sie haben über das Filmerlebnis hinaus die Möglichkeit, mit Filmemachern, Politikern, Experten aus dem Umwelt- und Naturschutz und anderen Fachleuten zu diskutieren. „Einen solchen Dialog wünschen wir uns“, so die Ministerin für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz Anita Tack, „dafür sind der Landesregierung alle Medien recht. Um Nachhaltigkeit zu kommunizieren, sie zu vermitteln und praktisch zu erleben, ist die Ökofilmtour ein sehr gutes Beispiel: attraktiv, unterhaltsam, ästhetisch anspruchsvoll und lehrreich zugleich.“ Die Ökofilmtour sei schon jetzt so etwas wie ein Leuchtturmprojekt für den Nachhaltigkeitsprozess in Brandenburg.
Dieses Festival ist mehr als Kino. Konsequent und erfolgreich setzt es auf Filme, die soziale Kernfragen unserer Zeit und Zukunftsthemen wie Klimawandel, Mobilität, Atomausstieg, Gesundheit, Konsum, Frieden, menschenwürdige und umweltverträgliche Globalisierung, Artenschutz, Biodiversität oder Gefahren der Gentechnik miteinander verbinden. Passend zum Themenjahr 2013 „Kindheit in Brandenburg“ steht diese 8. Ökofilmtour unter dem Motto „Welches Wachstum brauchen wir?“ - Eine Frage, die zum Nachdenken anregen soll und an all jene gerichtet ist, die Verantwortung tragen, heute, für Kindheit und Jugend in Brandenburg. Das ist auch Gesamtanliegen des Filmfestivals, das bereits mehrfach die Auszeichnung als offizielles Projekt der UN-Weltdekade „Bildung für Nachhaltige Entwicklung“ erhielt. Damit wird der von Anfang an durch das Festival verfolgte Ansatz gewürdigt, sich nicht auf ein Genre des Umwelt- und Naturfilms zu beschränken, sondern auch die sozialen und wirtschaftlichen Entwicklungsfragen aufzugreifen – ganz im Sinne des Nachhaltigkeitsprinzips.
Aber die Filmemacher betrachten die Umwelt nicht nur in diesen „klassischen“ Bewusstseinsfeldern, die nicht zu trennen sind von sozialen Faktoren des Zusammenlebens, des globalen Bevölkerungswachstums oder den andauernden Finanz- und Strukturkrisen der Ökonomie. Dabei steht auch die Demokratieentwicklung auf dem Prüfstand. Soziale und politische Ursachen für rechtsextreme Erscheinungen wie Rassismus, Neofaschismus und Gewalt werden in Filmen wie „Sarrazins Deutschland“ oder „Kriegerin“ angesprochen. Denn was nutzen den Bürgern vorbildliche Mülltrennung und klimafreundliche Gebäude, wenn sie sich wegen brutalem Mob und Gewaltandrohungen nicht auf die Straße trauen. Der Spielfilm von David Wnendt, Abschlussarbeit an der Potsdamer HFF „Konrad Wolf“, wurde schon mit dem Bundesfilmpreis ausgezeichnet, weil er mit genauer Milieukenntnis nach Antworten darauf sucht, dass so kulturloser Rassenhass, Menschen verachtende Gewalt und brutale Ausländerfeindlichkeit wie bei den NSU-Morden in der Gesellschaft unseres Landes heute überhaupt möglich sind.
Sensibilisierung für Natur und Umwelt schließt eben das Zusammenleben der Menschen in ihrer Verbindung zur Umwelt mit ein. Dort, wo kein sozialer Friede herrscht, wird auch die Natur bedrängt und andererseits legt Umweltzerstörung die Grundlage für soziale Konflikte. Der Film schafft es wie kaum ein anderes Medium, diese Wechselwirkungen hervortreten zu lassen. Die Hälfte der Festivalfilme wird mit Empfehlungen der jeweiligen Altersstufe auch für Diskussionen mit Kindern und Jugendlichen zur Verfügung gestellt. Neu dabei ist eine Auswahl für die Altersstufe ab Klasse 9 mit Filmen wie Andreas Dresens „Herr Wichmann aus der dritten Reihe“ oder Erwin Wagenhofers erstem Spielfilm „Black Brown White“ aus Österreich, die ihnen solche Zusammenhänge der demokratischen Teilnahme in unserem Land und des globalen Denkens vermitteln. Denn neu ist auch im Land Brandenburg, dass zu den Landtagswahlen schon ab 16 Jahren gewählt werden kann.
Das Projekt „JugendVision“ des Fördervereins FÖN e.V. mit der Bundesstiftung Umwelt, Osnabrück, dem Brandenburger Umwelt- und Bildungsministerium macht es von nun ab sogar möglich, diese Filme Jugendlichen von 10 bis 20 Jahren in Brandenburg auch nach dem Festival ganzjährig zu zeigen. Auf www.jugendvision.com sollten Pädagogen und Betreuer an Schulen und Jugendeinrichtungen im Land davon Gebrauch machen. Mit mobiler Vorführtechnik ist das überall möglich. Auch wenn manche Festspielgemeinden kein eigenes Kino haben, kommen die Filme zu ihnen. Das ist das Besondere an diesem beliebten Festival.
Zur Abschlussveranstaltung am Mittwoch, dem 17. April 2013, 19 Uhr, im Potsdamer Hans-Otto-Theater werden die Preise in den folgenden Kategorien verliehen: - Preis der Stadt Potsdam für die beste künstlerische Leistung (mit 5.000 € dotiert) - Preis der Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg für den besten Naturfilm (5.000 €) - Hoimar-von-Ditfurth-Preis der Deutschen Umwelthilfe für die beste journalistische Leistung - Zukunftsfilmpreis der Stiftung "Lebendige Stadt" und des Bundesdeutschen Arbeitskreises für umweltbewusstes Management, B.A.U.M. e.V. (5.000 €) - Kinder- und Jugendfilmpreis (Es wird für die Dotierung noch ein Sponsor gesucht.) - Publikumspreis
Leitung des Festivals: Ernst Alfred Müller Funk: 0179-6674567 Dr. Jutta Schölzel Funk: 0170-2014652 Büro: 0331-2015535, Fax 0331-2015536 Email:foenpotsdam@gmail.com
8. Festival des Umwelt- und Naturfilms Ökofilmtour 2013 FÖNFörderverein für Öffentlichkeitsarbeit im Natur- und Umweltschutz e.V. Haus der Natur , Lindenstraße 34 , 14467 Potsdam